Archiv der Kategorie 'Bukarest'

„In einem normalen Land…“

„In einem normalen Land werden Frauen auf der Straße nicht berührt.“ Stencil hier in Bukarest, gesprüht an recht viele Häuserwände. Eigentlich selbstverständlich, ist aber leider immer noch nicht bei allen in der Höhle angekommen. Und das nicht nur in Rumänien…
Das ganze ist eine Guerilla-Kampagne für einen Radiosender, der auch noch den dazu passenden Namen dazu trägt: Radio Guerilla. Es gibt auch weitere polarisierende Aussagen, hier mal die Motive in Plakatform.

„In einem normalen Land wird an der Kreuzung nicht gehupt.“
„In einem normalen Land duschen sich die Leute jeden Tag.
„In einem normalen Land werden Kippen nicht in den Sand geworfen, wo die Kleinen spielen.“"

Es gibt ja die These, das Werbung nur Strömungen in der Gesellschaft aufgreift, betont, zuspitzt. Wenn das stimmt, was heißt das dann für Rumänien?

Ka|lasch|ni|kow, die

Ballert der Kleine doch tatsächlich in der Fußgängerzone rum, immer schön auf Passanten zielend, untermalt vom elektronischen Sound der Schüsse. Vom pädagogischen Käfer des Augenblicks gebissen, wollte ich die Rentnergilde, die hinter ihm sitzt und sich offensichtlich nicht darum kümmert, mal darauf aufmerksam machen. Und was passiert? Die fanden das noch toll, dass ich mich für den kleinen Todesschützen interessiere… zum Dank gab’s das Bild.

„Architekturmeteorit“

„Am Ende seiner Herrschaft ließ Rumäniens Diktator Nicolae Ceausescu große Teile der Bukarester Altstadt abreißen und monumentale Prunkbauten errichten. Die meisten Historiker sehen dieses Projekt als Ausdruck irrationalen Größenwahns – doch es steckt viel mehr dahinter, sagen Forscher. (mehr)“

Spiegel Online schreibt heute über Ceausescus gebauten Größenwahn hier in Bukarest, unter anderem über das „Casa Poporului“, immerhin das zweitgrößte Gebäude der Welt. Interessant sind die Ansätze zur Deutung der psychologischen Wirkung von derartigen Gebäuden.

Aus dem Artikel: „Die Symbolik, die dieses Gebäude produziert, ist langfristig schädlich. Eine schlechte Architektur mit inhumaner Monumentalität, kurz: ein Fremdkörper, ein Architekturmeteorit.“

49:7

Gestern ging’s sportlich zu: Zusammen mit ein paar Freunden habe ich mir drei Rugbyländerspiele angeschaut, denn Bukarest ist Gastgeber des Nations Cup. Bei bestem Sonnenschein und alkoholfreiem Bier (nun ja…) gab’s rasante Spiele (Frankreich-Italien, Schottland-Russland, Rumänien-Uruguay, die ersten drei Länder waren mit ihren B-Mannschaften vertreten) und Sonnenbrand.
Nicht nur am Spielstand wird deutlich, dass Rugby deutlich anders als Fußball ist. Rugby ist insgesamt rasanter und damit spannender für mich, denn entweder wird attackiert oder verteidigt, zielloses rumgekicke gibt’s nicht. Im Stadion geht’s deutlich zivilisierter zu, trotzdem ist die Stimmung richtig gut – nur eben ohne das fußballtypischen Höhlenmenschengebaren und die damit verbundenen Niveaulimbos. Und siehe da, wenn die Idioten fehlen gehe ich sogar recht gern ins Stadion. Durch die Abwesenheit brüllender und schlagender Dummheit müssen auch weniger Polizisten ran – mehr als zehn habe ich nicht zählen können.

Der Spielstand ist übrigens vom Spiel Schottland gegen Russland.

Stein|gar|ten, der

„Brot kann schimmeln, was kannst du?“

Auch wenn ich die Datenkrake studivz nicht mag, manche Gruppennamen sind einfach mal geil. Wie eben auch der obige. Passend dazu ein echt leckeres Körnerbrötchen aus dem… wer hätte’s gedacht?… Kaufland! Während die kleinen Ecklädchen, genannt „Magazin Alimentar“ wirklich noch an jeder Ecke vorhanden sind (im Umkreis von 500 Metern gibt’s mehr als zehn!) und von Rumänen betrieben werden, haben sich die großen westeuropäischen Supermarktketten hier richtig breit gemacht. Kaufland, real, Plus und Penny aus Deutschland, Carrefour und Cora aus Frankreich, Billa aus Österreich.
Kein Wunder, dass ich hier die gleichen Körnerbrötchen wie in Annaberg-Buchholz bekommen kann. So wie die schmecken, kommen die auch von da… ausgetrocknet und fast schon hart. German style eben…

Die erste Prüfung

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Straßenbahnfahren bildet. Habe Ende letzter Woche einen Mitstudi in der Straßenbahn getroffen, der mir zum Glück von der heute stattgefundenen Prüfung erzählt hat. Nun wusste ich, dass meine erste Prüfung im Fach Construction Machines sein würde, über den sympathisch konservativen Lehrstil habe ich ja schon mal berichtet. Ähnlich sollte dann auch die Prüfung werden: Der Prof nennt zwei zu zeichnende Maschinen, ich darf mir noch eine extra aussuchen, weil ich den ersten Test verpasst habe. Und da wir alles – ja, inoffiziell auch den Nachbarn – verwenden durften, hielt sich meine Anspannung in Grenzen. Er ruft dann jeweils einen Studenten nach vorn, der ihm dann die eben abgezeichnete Maschine kurz erklärt, nach maximal drei Minuten steht die Note fest, die er gleich in den Studentenausweis einträgt. Ich habe ‘ne satte 10 abgeräumt, auf ‘ner Notenskala von 0 bis 10. „Suntem străine“, das hat wohl geholfen… :) Diese Art und (Nicht-)Schwierigkeit der Prüfung ist aber schon eher die Ausnahme, vergleichbar mit den Scheinen für’s Studium generale zu Hause. Sonst ist die Fächerauswahl hier ähnlich theorielastig und inhaltlich fordern wie in Dresden – und das brauche ich ja nicht auch noch im Urlaub Auslandssemester.

Ein Problem weniger

Ok, das wird jetzt ziemlich selbstreferentiell. Aber der Hauptgrund, warum ich in letzer Zeit so wenig über das Land, die Stadt und die Menschen hier schreiben konnte, ist jetzt einfach mal Geschichte. Der (t)olle Beleg für meine Heimatuni, der mich seit zwei Wochen an den Küchentisch gefesselt hat, ist eben fertig geworden! 40 Seiten später habe ich endlich meine Freiheit wieder!

Zugegeben, dass kann euch genauso Wurst sein wie die Anzahl der Straßenhunde hier in Bukarest… ist es mir aber nicht, zumindest ein Problem habe ich jetzt weniger. Das andere, vierbeinige und bellende Problem habe ich versucht am Wochenende mal wieder anzugehen. Ich war in einem größtenteils stillgelegten Industriegebiet unterwegs, ungefähr so groß wie der Große Garten in double-D-town. Einfach mal die klassische Konfrontationstherapie… mit wie vielen Hunden komme ich klar, wann muss ich wieder rennen. Nun ja, bei mehr als drei wird’s unentspannt;-) Dabei nerven mich eigentlich nicht die Hunde, sondern nur meine Angst vor diesen Viechern. Und ich bin sonst nicht ängstlich… aber ich mag es einfach nicht, wenn mir andere Lebewesen ein bestimmtes Gefühl reindrücken wollen. Das geht echt gar nicht…

Wer mehr wissen will: In der Berliner Zeitung ist ein halbwegs vernünftiger Artikel zum bellenden und beißenden Problem erschienen. Am Rande geht’s auch um Brigit Bardots Hunderettungsaktion vor ein paar Jahren. Die ist echt durchgeknallt, diese Frau. Neben anderen kruden Sachen hat sie hier in Bukarest medienwirksam „Ein Herz für Hunde“ propagiert… die kann ja gern mal mit ihrer Wade anfangen.

Weiter geht’s

Nachdem ich letzte Woche vor allem Beipackzettel studiert habe, geht’s diese Woche deutlich studentischer zu. In die Uni geh ich deswegen noch nicht, wenn ich laut Ärztin noch nicht ausgehen darf, habe ich auch an der Uni nichts zu suchen. Fleißig wie ich selbst im ersten Semester nie war, verbringe ich nun um die zwölf Stunden vor’m Rechner und versuche mir einen dicken Klotz vom Bein zu schreiben, einen Beleg meiner Heimatuni. Der einzige Ausgleich sind die zwei drei Stunden mittags, die ich bei bestem Sonnenschein im Park verbringe, wahlweise lesend oder schlafend.

Nachmittags geht’s dann wieder zurück in’s Wasserbaulabor (Ahoi an die Dresdner Wasserbauer!) wo ich meinen Rechner aufgeschlagen habe. Hätte nicht gedacht, dass ich so ein Labor öfter als am Tag der offenen Tür von innen sehen würde… aber mein Zimmer teile ich mit zwei weiteren Menschen, einen Tisch hatte ich die ersten drei Wochen auch nicht. Zu Hause geht also nicht. Da die Uni-Bibliothek hier schon 16.00 Uhr schließt (hier könnte die Studentenstiftung mal ihren Aktionsradius erweitern…;-) und es in der gesamten Uni so gut wie keine frei zugänglichen Steckdosen gibt, fallen diese Optionen auch flach. Uni geht also auch nicht. Asyl habe ich dann vom Dekan im Zimmer seiner Doktoranden bekommen. Selten habe ich mich so über einen Platz zum Arbeiten gefreut wie hier…

Mandeln

Mandeln gibt’s ja nicht nur im Kuchen, sondern auch im menschlichen Körper. Und meine sind seit Freitag ordentlich entzündet, heute gab’s dazu die Bestätigung vom Arzt. Dieser Mist tut ganz schön weh, das nervt gewaltig. Mit der verbleibenden Kraft werde ich mich zuerst einmal um mich, meine persönlichen Sachen und leider auch um einen Beleg für Dresden (80h Arbeit in den nächsten zwei Wochen…) kümmern. Deshalb werde ich diese Woche wohl nichts mehr bloggen, tut mir leid geneigte/r Leser/in.

Immerhin gab’s intersante Einblicke ins rumänische Gesundheitssystem: Bevor beim Studentenarzt überhaupt was ging, musste ich erstmal in den offiziellen Imma-Listen gefunden werden. Klappte natürlich wieder nicht, wie schon hier beschrieben existiere ich in der offiziellen Unibürokratie einfach nicht. Also wieder tricksen, längere  Fragebögen über mich ergehen lassen („Berufe der Eltern“) und dann ging’s los. Ein Blick in meinen Rachen, zack, Diagnose fertig. Mit dem Rezept dann zur Apotheke getrabt, dort fehlte dann das passende Wechselgeld. Da sind die Rumänen echt erfinderisch: In Lebensmittelläden bekommt man für die fehlenden Münzen auch mal einen Kaugummi als Wechselgeld, in der Apotheke läuft das nicht anders. Nur gab’s dort statt Kaugummi eine (!) Schmerztablette, von der Frau im weißen Kittel eigenhändig aus der Packung herausgeschnitten.

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