Auf geht’s zur zweiten Station auf der Leserreise durch den Bücherkosmos meines Rucksacks.

„Als ich fünfzehn war, hatte ich Gelbsucht.“
Mit diesem lapidaren Satz beginnt das Buch, dass gleich zwei große Tabus anpackt, die nichts miteinander zu tun haben. Zum einen der oft verstellte Blick auf die individuelle Schuld am Holocaust, die nicht weniger wird nur weil ganze Gruppen daran beteiligt waren. Und ein ganz anderes Tabu, die Liebe zwischen einem minderjährigen Jungen und einer 21 Jahre älteren Frau. Die Liebe nimmt ihren Anfang, als der gelbsuchtgeschwächte Junge der Frau fast vor die Füße kotzt, die ihn dann nach Hause bringt und bei der er sich dann später bedanken will. Diese Liebe findet ihren fast täglichen Höhepunkt (das Wortspiel musste sein…;-) in ihrem Bett, zeitlich eingeklemmt zwischen ihrem Dienstschluss und seiner Verpflichtung zum elterlichen Abendbrot zu erscheinen.
Am Rande wird auch ein weiteres spannendes Thema behandelt:
„Stell dir vor, jemand rennt in sein Verderben, absichtlich, und du kannst ihn retten – rettest du ihn?“
Diese Frage stellt sich der nun erwachsene Junge, als sich seine ehemalige Sexpartnerin vor Gericht zu Dingen bekennt, die sie nachweislich nicht begangen haben kann. Das weiß außer ihr aber nur er. Soll er ihr helfen? Darf er ihr helfen? Der Philosophie lehrende Professorenvater wird um Rat gefragt und belehrt ihn:
„Erinnerst du dich nicht mehr, wie es dich als kleinen Jungen empören konnte, wenn Mama besser wusste als du, was für dich gut war? Schon inwieweit man das bei Kindern tun darf, ist ein wirkliches Problem. [...] Aber bei Erwachsenen sehe ich schlechterdings keine Rechtfertigung dafür, das, was ein anderer für sie für gut hält, über das zu setzen, was sie selbst für sich für gut halten.“
– „Auch nicht, wenn sie später selbst damit glücklich damit sind?“
„Wir reden nicht über Glück, sondern über Würde und Freiheit. Schon als kleiner Junge hast du den Unterschied gekannt.“
Wie aktuell das Thema ist, zeigt auch ein Fall einer Finnin, die es vorzieht auf den Berliner Flughäfen zu leben statt in ihr Heimatland zurück zu kehren. Dadurch fühlen sich Gericht und Pfarrer veranlasst, sich ungefragt mit ihr zu beschäftigen. Die Ratlosigkeit über die nicht gewollte Hilfe schreit einem in dem Spiegel-Artikel fast schon entgegen. Helfer helfen eben auch sich selbst…
D.Anke für die Leseempfehlung!
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